400 Seiten Wissen aus dem Freilandlabor Nationalpark

Nach dem «Atlas des Schweizerischen Nationalparks» und der geschichtlichen Aufarbeitung «Wildnis schaffen» widmet sich auch die neuste Publikation in konzentrierter Form der Forschung im Nationalpark.

Während der preisgekrönte und mittlerweile in zweiter Auflage erschienene «Atlas des Schweizerischen Nationalparks» die 100-jährige Geschichte des SNP in allgemeinverständlicher Sprache umschreibt, beleuchtet «Wissen schaffen» – Nomen est Omen – bewusst die wissenschaftliche Forschung im Nationalpark. Im Gegensatz zu anderen, internationalen Nationalpärken war die Forschung von Beginn weg Bestandteil des SNP. Mehr noch, die Gründung des SNP beruht nachweislich auf der Weitsichtigkeit von Wissenschaftlern und Mitgliedern der damaligen Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. Heute heisst diese Vereinigung Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) und diese ist Trägerin der Forschungskommission des Schweizerischen Nationalparks.

Tatsächlich stellt die Erforschung des Freilandlabors Nationalpark seit dessen Gründung 1914 einen wichtigen Faktor zum Verständnis der natürlichen Abläufe in einem Schutzgebiet dar. Unzählige wissenschaftliche Experimente haben durch die Jahre und Jahrzehnte wichtige Grundlagen zum allgemeinen Naturverständnis geschaffen. Die neue Publikation zeigt nun genau diese Vielfalt der Forschung und fasst herausragende Ergebnisse aus 100 Jahren Nationalparkforschung zusammen.

Für die Herausgabe der Publikation «Wissen schaffen» zeichnet die Forschungskommission des Schweizerischen Nationalparks verantwortlich. Bruno Baur, Leiter des Instituts für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz der Universität Basel, und Thomas Scheurer, Geschäftsführer und Koordinator der SNP-Forschungskommission, haben die vielfältigen Beiträge der Autoren redaktionell bearbeitet und zu einem übersichtlichen Buch gestaltet. Das Buch entstand im Zusammenhang mit dem 100-Jahr-Jubiläum des SNP.

Einflüsse und Veränderungen

Die Grundregel der Forschung im Nationalpark lautet: Es dürfen ausschliesslich Studien durchgeführt werden, die in direktem Zusammenhang zum SNP stehen. Bewilligt und koordiniert wird die Forschung durch die Forschungskommission und die Direktion des SNP. Wie vielfältig die Nationalpark-Forschung ist, zeigt ein Blick ins Inhaltsverzeichnis des knapp 400 Seiten starken Buches. Themenbereiche wie die Klimaentwicklung, die Veränderungen von Landschaft, Gewässer Flora und Fauna oder der Einfluss des Menschen geben den Rahmen vor. Verschiedene Beiträge aus Sukzessions- und Langzeitforschung vertiefen die Grundlagen und konkrete Beispiele geben Aufschluss über Vorgänge, Einflüsse und Veränderungen.
Unter den Autoren finden sich auch der Bündner Wildbiologe und Mitarbeiter des kantonalen Amts für Jagd und Fischerei, Hannes Jenny, die SNP-Kaderleute Flurin Filli und Ruedi Haller oder der Forstingenieur und zukünftige Bündner Regierungsrat Jon Domenic Parolini. Für das Vorwort konnte alt Nationalrat Andrea Hämmerle Bundesrat Johann Schneider-Ammann gewinnen.

Das Buch «Wissen schaffen» wurde am Donnerstag im Churer Hotel Stern anlässlich einer Vernissage von den beiden verantwortlichen Redaktoren der Öffentlichkeit vorgestellt. Hannes Jenny bereicherte den Anlass mit einem Vortrag zum Thema «Vom Hirschproblem zum modernen Wildtiermanagement».

 

«Wissen schaffen» 100 Jahre Forschung im Schweizerischen Nationalpark von Bruno Baur und Thomas Scheurer (Redaktion). 384 Seiten mit Abbildungen und Tabellen, erscheint am 10. Dezember im Hauptverlag. ISBN 978-3-258-07862-5.

Der Co-Redaktor von «Wissen schaffen», Thomas Scheurer (links), zeigt dem Präsidenten der Forschungskommission und Mitautor Norman Backhaus sowie SNP-Kommunikationschef Hans Lozza die neue Publikation.