«Ein gutes Beispiel für dezentrale Entwicklung»

Während den Sessionen gleicht der Parlamentsbetrieb im Berner Bundeshaus einem emsigen Treiben eines Ameisenhaufens. Vor allem hinter den Kulissen. Oder: Regula Rytz und Susanne Leutenegger Oberholzer zwischen Abstimmungen im Ratssaal und Fraktionssitzungen.

Seit 27 Jahren sitzt SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer schon im Rat. Damit gehört die gebürtige Churerin, die für den Kanton Baselland politisiert, zu den Urgesteinen der Politszene und ist die amtsälteste Parlamentarierin. «Der Schweizerische Nationalpark hat einen riesigen ökologischen und gesellschaftlichen Wert», sagt die mittlerweile 66-Jährige. Sie weiss, wovon sie spricht, kennt sie den SNP doch aus eigener Erfahrung: «Eine Woche Nationalpark gehört zum Erholsamsten, das man sich antun kann», lautet denn auch ihr Fazit. «Das ist Natur pur, die man ganz nah erleben kann.» Und gefordert wird: «Sieht man nun die Tiere oder sieht man sie nicht?» Sie bezeichnet den SNP persönlich als «etwas vom Wertvollsten» und schlichtweg als ein «Vorzeigeprojekt für die ganze Schweiz».

Susanne Leutenegger Oberholzer beobachtet gespannt, wie es mit den zusätzlich geplanten Naturpärken in der Schweiz weitergeht. Ausser Frage steht für sie, dass der SNP zur Selbstverständlichkeit geworden ist «nicht nur für Graubünden, sondern für die ganze Schweiz».

«Ein echtes Erlebnis»

Auch Regula Rytz, Berner Nationalrätin und Co-Präsidentin der Grünen Partei, kennt den SNP aus verschiedenen Besuchen und outet sich als grosser Fan desselben. Die 52-jährige Politikerin, die seit 2011 im Nationalrat sitzt, bezeichnet die Gründung des SNP als «eine unglaubliche Pioniertat in einer Zeit, die nicht wie heute vom Leben in dichtbesiedelten Agglomerationen geprägt ist und von Menschen, die vermehrt Kontrast, viel Naturromantik und die Wildnis suchen.» Das sei vor 100 Jahren nicht so gewesen, obschon es auch damals bereits um einen weitsichtigen Naturschutz ging.

Für Regula Rytz ist der SNP mit ein Grund, weshalb Gäste ins Engadin fahren und dort eben nicht nur dem Wintersport frönen. «Das ist ein Ort, wo ein einzigartiges Naturerlebnis erfahren werden kann. Dass man sieht, wie sich die Natur entwickelt, wenn der Mensch nicht eingreift, ist in dieser Form heute in der Schweiz nirgends mehr so wahrnehmbar.» Rytz ist überzeugt: «Da wird einem ein echtes Erlebnis beschert.» Zudem zeige der SNP, dass Naturschutz auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann, ohne nach Aktionen riechen zu müssen. «Der Nationalpark zeigt, dass es immer mehr Menschen gibt, die einen Ort weg von Jubel und Trubel suchen und stattdessen Ruhe und Ursprünglichkeit suchen.» Gäste eben, welche in der Nationalparkregion im Hotel wohnten und die lokale Kultur und lokale Produkte konsumierten. «Für mich ist das ein gutes Beispiel, wie dezentrale Entwicklung funktionieren kann.»

Die beiden Nationalrätinnen Regula Rytz (im Vordergrund) und Susanne Leutenegger Oberholzer applaudieren den Ausführungen der Nationalpark-Verantwortlichen in der «Galerie des Alpes» im Bundeshaus. Foto: Jon Duschletta