Kolumne «Mein Weg zur Triathletin»: Dresscode Neoprenanzug

Knapp vor meiner Nase bewegen sich zwei Füsse im trüben, braungrünen Wasser auf und ab, ein Rempler von der Seite bringt mich vom Kurs ab, die Schwimmbewegungen der anderen wirbeln das Wasser auf und bilden tausend kleine Luftbläschen, welche die Orientierung noch schwieriger machen. Willkommen zum «Open-Water-Training» im Stazersee!

Dreieinhalb Monate ist es her, seit wir uns im EP-Team zum ersten Schwimm training getroffen haben – damals im klaren und ruhigen Wasser des St. Moritzer Hallenbads notabene. Seit diesem ersten Training sind meine Besuche in Hallenbädern fast exponentiell gestiegen, und die Hemmung gegenüber dem kalten Nass ist fast ebenso gesunken. Nur eines ist gleich geblieben: der Schwimmstil. Nach einigen Versuchen in der Kraultechnik bin ich demütig zurückgekrebst und habe beschlossen, dass ich in der kurzen Zeit bis zum Triathlon lieber meinen Brustschwumm optimiere, statt wie eine Ertrinkende unkoordiniert und nach Luft schnappend mit den Armen in der Luft rumzufuchteln.

Zurück zum Stazersee: Ein weiterer grosser Unterschied zum Schwimmen im Hallenbad ist der Neoprenanzug. Mein Abstoss geht ein paar Mal in die Luft, weil die Beine durch den Auftrieb des Anzugs höher im Wasser liegen. Die wahre Herausforderung beginnt aber noch vor dem Gang ins Wasser: Ich durchforste alle möglichen Sportgeschäfte, um einen Neoprenanzug auszuleihen, bis mir schliesslich ein tauchender Bekannter vier Anzüge zum Anprobieren zur Verfügung stellt. Zu Hause vor dem Spiegel präsentiert sich mir eine komikreife Szene, als ich versuche, mich in die engen Dinger zu zwängen. Endlich – das vierte Modell passt; problemlos schlüpfe ich in den Anzug. Stolz nehme ich ihn zum Training mit, doch die Ernüchterung folgt sogleich: «Der ist zu gross für dich», meint Frank. Zu gross? Wo es bei den kleineren Modellen schon bei den Waden gebremst hat? Wenn der Anzug nicht eng anliege, könne man im Wasser wertvolle Sekunden verlieren, sagt der Experte. Und das wäre bei meiner ausgefeilten Brustschwimmtechnik nun doch wirklich schade. Zum Glück habe ich noch drei enge Neoprenanzüge zu Hause!

Ruth Ehrensperger