«Ohne Team hätte ich das Handtuch geworfen»

Sechs grundverschiedene Einzelsportler sind innert drei Monaten zu einem erfolgreichen Team zusammengewachsen. Das EP-Team-Projekt endet mit einem grossen Sieg.

«Die anderen Team-Mitglieder haben viel mehr geleistet als ich.» Das sagt nicht irgendjemand. Sondern Monika Kamm, die Siegerin der kurzen Strecke des Nationalpark Bikemarathons. Eigentlich bemerkenswert. Denn vor drei Monaten sind sechs ausgewählte Einzelsportler zur ersten Trainingseinheit eingerückt und am Samstag ist ein Team zum Saisonhöhepunkt angetreten. «Ohne EP-Team hätte ich das Handtuch geworfen», ergänzt Christian Heis aus Samnaun. Die sechs Teilnehmer des Nationalpark Bikemarathons haben gelitten, der Teamgedanke hat sie beflügelt und ins Ziel getragen. Jeder Einzelne hat sein individuelles Ziel erreicht. Aber schlussendlich haben sie gemeinsam als Team gewonnen. «Ich hätte am liebsten einfach losgeheult», berichtet Daniel Käslin aus Pontresina. Wenigstens feuchte Augen hatte am Samstag jedes EP-Team-Mitglied.

Der Weg zum Sieg

Das EP-Team-Projekt ist am 1. Juni mit dem ersten gemeinsamen Training gestartet. Aus über 60 Anmeldungen wurden sechs Personen für das EP-Team ausgewählt: Robert Hüberli (64) aus Scuol, Gian Claudio Wieser (45) aus Sent, Monika Kamm (43) aus Madulain, Daniel Käslin (36) aus Pontresina, Christian Heis (33) aus Samnaun und Myriam Bolt (30) aus Champfèr. Jeder hatte andere Erwartungen, andere sportliche Vorzeichen und ein anderes Grundwissen im Bike-Sport. Nur das Ziel hatten sie gemeinsam, nämlich die Teilnahme am Nationalpark Bikemarathon. In Zusammenarbeit mit der Destination Engadin Scuol Samnaun Val Müstair, dem Hochalpinen Institut Ftan, dem Center da sandà Engiadina Bassa, dem Fitnesscenter Andor in Scuol und den beiden Bike-Company’s Singletrail Rides und Alptrails.ch wurde das EP-Team auf die Herausforderung vorbereitet. Und die Gruppendynamik hat jeden Einzelnen zur Höchstleistung gepusht.

Mit Tränen in den Augen

Am wenigsten Bike-Erfahrung hatte eindeutig Monika Kamm aus Madulain. Erst im Frühjahr hat sie mit dem Biken angefangen. Die Fitness war vorhanden, die technischen Bike-Finessen nicht. Am Samstag fuhr sie als schnellste Dame auf der kurzen Strecke von S-chanf nach Scuol (47 Kilometer) durchs Ziel. Ohne selber von der Leistung wirklich überzeugt zu sein, hat sie das Rennen mit fünf Minuten Vorsprung gewonnen. Die Livignasco-Strecke mit 66 Kilometern und 1871 Höhenmetern über den ChaschaunaPass haben Myriam Bolt, Robert Hüberli und Daniel Käslin unter die Räder genommen. Käslin erreichte das Ziel mit einem strahlenden Gesicht und überglücklich nach vier Stunden und 25 Minuten. Für ihn heikel wurde es nur, als er in S-chanf genau auf den Start der Teilnehmer der Putèr-Strecke auffuhr. Nur 25 Minuten später stand bereits Robert Hüberli verwirrt in Scuol im Ziel. Er konnte nur mit Mühe vom Bike steigen und brauchte einige Zeit, um sich wieder zu finden. «Ich habe aus dieser alten Zitrone einfach alles ausgepresst. Mehr war nicht möglich», berichtet er mit Tränen in den Augen. Dass er eine Stunde schneller gefahren ist als geplant, nimmt er mit Freude zur Kenntnis. Zudem war er klar der älteste Teilnehmer auf dieser Strecke. Die Jüngste im EP-Team, Myriam Bolt, ist während der Fahrt dreimal gestürzt und musste sich verarzten lassen. Für sie war es ein Wellenritt der Emotionen. Nach der Zielankunft überwog das Glücksgefühl, das persönliche Ziel erreicht zu haben.

«Einmal Hölle und zurück»

«Ich habe heute einfach alles erlebt – einmal Hölle und zurück», erklärt Christian Heis. Er ist in Fuldera zur 103 Kilometer langen Prüfung gestartet. Anders als bei den übrigen EP-Team-Mitgliedern war der Regen sein ständiger Begleiter. Gian Claudio Wieser hatte noch andere Sorgen auf seinem Weg rund um den Schweizerischen Nationalpark (137 Kilometer und 4026 Höhenmeter). Bereits im Val Mora bekam er Beinkrämpfe und kämpfte rund 100 Kilometer dagegen, bis er im Ziel vom Team empfangen wurde. «Ohne diese Plage hätte ich etwas schneller fahren können.» Trotzdem erreichte er sein persönliches Ziel.

Damit ist auch das EP-Team-Projekt beendet. «Ich habe viel gelernt und neue Freunde gefunden», fasst Daniel Käslin die schöne und sportlich anstrengende Zeit zusammen. «Es war einfach toll und ich hatte sowas nie erwartet», ergänzt Monika Kamm. Und auch das Schlusswort gehört der Siegerin: «Das EP-Team-Bike-Projekt ist beendet. Aber mein persönliches Bike-Projekt hat erst angefangen.»

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«Einmal Hölle und zurück», beschreibt Christian Heis die Erlebnisse am Bikemarathon. Foto: Sportograf.com

Nicht nur bessere Biker, sondern auch neue Freunde. Die Sieger des EP-Teams (von links): Daniel Käslin aus Pontresina, Christian Heis aus Samnaun, Monika Kamm aus Madulain, Myriam Bolt aus Champfèr, Gian Claudio Wieser aus Sent und Robert Hüberli aus Scuol. Foto: Nicolo Bass