Olympia-Kampagne: Der Endspurt hat begonnen

Die Olympia-Promotoren ziehen ein positives Fazit von der Abstimmungskampagne um eine mögliche Olympia-Kandidatur. Sie betonen, dass ein Ja am kommenden Sonntag noch kein Ja zur Durchführung ist.

Lange hat Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees geschwiegen, wenn es um die Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 ging. Auch eine frühe Anfrage der «Engadiner Post/Posta Ladina» wurde abschlägig beantwortet. Am vergangenen Sonntag, genau eine Woche vor der Abstimmung, hat sich nun Rogge doch noch geäussert - in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» (siehe Text auf dieser Seite). Und was er dort gesagt hat, dürfte die Olympia-Promotoren gefreut haben.

25 000 Leute getroffen

Diese haben gestern Montag in Landquart Bilanz gezogen über die Abstimmungskampagne, die im vergangenen Herbst gestartet worden ist. An über 200 Veranstaltungen habe man rund 25 000 Leute getroffen, sagte Christian Gartmann, Leiter Kommunikation bei Graubünden 2022. Erfreulich sei, dass rund 90 Prozent der Anlässe von Dritten organisiert worden seien. «Die Olympia-Kandidatur ist zur Dialogplattform geworden», resümmierte Gartmann.
Für Gian Gilli, den Direktor von Graubünden 2022, hat sich das ganze Konzept seit der Präsentation der Botschaft durch die Bündner Regierung vor einem halben Jahr massiv weiterentwickelt. Jedes Teilprojekt sei noch einmal plausibilisiert und auf Optimierungspotenzial punkto Komplexität, Budget und Vereinbarkeit mit der NIV-Charta untersucht worden. «Die Kandidatur, um die es am 3. März geht, ist nicht mehr und nicht weniger als die Chance, in vielen Gebieten Neues zu entwickeln», bilanzierte er am Montag.

Definitiver Entscheid erst 2015

Vor den Medien wurde noch einmal betont, dass ein Ja am 3. März noch nicht ein endgültiges Ja für die Durchführung ist. Ein positiver Ausgang der Abstimmung sei lediglich der Auftrag für die Erarbeitung eines Detailkonzepts. Die Kandidaturphase sei vor allem ein sehr detaillierter Planungs-, Budgetierungs- und Verhandlungsprozess. «Bis 2015 werden wir unser Konzept in allen Details ausformulieren, berechnen und mit dem IOC verhandeln. Erst dann werden wir entscheiden, ob wir die Spiele wollen», sagte Tarzisius Caviezel, Präsident von Graubünden 2022.

Dreifaches Ja nötig

Am kommenden Sonntag wird es auf kantonaler Ebene nicht einfach um die simple Frage Olympia Ja oder Nein gehen. Die Stimmbürger müssen vielmehr über die Teilrevision des Finanzhaushaltgesetzes zur Bildung von Reserven in der Höhe von 300 Millionen Franken für die Olympischen Winterspiele 2022 in Graubünden abstimmen. Ein Ja zu dieser Teilrevision wäre gleichbedeutend mit einem Ja zur Durchführung der Spiele: Sollte die Kandidatur dann auch wirklich beim IOC eingereicht werden und sollte sich das IOC für die Schweiz entscheiden. Der Bündner Grosse Rat hat dieser Teilrevision des Finanzhaushaltgesetzes mit 99:16 Stimmen zugestimmt und das Geschäft gleichzeitig dem obligatorischen Referendum, das heisst der Volksabstimmung unterstellt. Entscheidet sich das IOC gegen die Bündner Kandidatur, sind die nicht beanspruchten Reserven gemäss Abstimmungsbotschaft erfolgwirksam aufzulösen.
In den vorgesehenen Durchführungsorten St. Moritz und Davos müssen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zusätzlich über Kreditbegehren für die Kandidaturkosten abstimmen. In St. Moritz über fünf Millionen Franken, in Davos über zwei Millionen. Nur wenn am Sonntag ein dreifaches Ja - also im Kanton, in St. Moritz und in Davos - resultiert, wird die Kandidatur weiterverfolgt. Dann wartet als nächste Hürde der Nationalrat. Dort soll das Geschäft voraussichtlich in der Sommersession im Juni besprochen werden. Die Meinungen in Bern gehen noch weit auseinander, vor allem was eine Defizitgarantie des Bundes über die eine Milliarde Franken Verpflichtungskredit hinaus angeht.