Frei am Berg

Fazit des Tages

Dunkelheit, so weit das Auge reicht. Ein Sternenmeer, das einen überwältigt. Und kleine Lichtpegel, die mit jedem Schritt hin und her tanzen. Das durchlebt das «Piz Bernina»-EP-Team, als es mitten in der Nacht von der Tschierva-Hütte aufbricht, um das grosse Ziel zu besteigen: Über den Biancograt auf den Piz Bernina.

Bergführer Gino führt die Zehnergruppe an. Mit forschem Tempo geht es zuerst einen Felsweg, dann den Gletscher hinauf. Wie lange man noch halb im Schlaf einen Schritt vor den anderen setzt, ist schwer zu sagen. Die Füsse laufen ohne Zeitgefühl dem Vordermann nach.

Vor der Fuorcla Prievlusa weicht die Dunkelheit langsam einem heller werdenden Himmel. Doch dafür haben die Teilnehmer keine Augen, die haften auf der steilen Eisflanke. Dicht hinter dem Bergführer geht es vertikal nach oben. Wie man sich fühlt, in den frühen Morgenstunden loszulaufen und Eishänge zu erklimmen? Man fühlt Freiheit. Die Belohnung: Der Grat gibt einen neuen Blick frei, hin zur Palü-Gruppe. Inzwischen hat die Sonne die Eiswelt begrüsst und streichelt den Biancograt mit den ersten Strahlen des Tages.

Die Eindrücke während des Bergsteigens sind intensiv, überwältigend, gewaltig. Man kommt sich klein und unbedeutend vor, als Mensch inmitten der riesigen Felsen, dem Eis, den Gletscherspalten, den ausgesetzten Kletterpassagen. Man ist in einer völlig anderen Welt und den Bergen, dem Wind, dem Wetter ausgeliefert. Diese Erkenntnisse dringen unbewusst in die Gedanken und helfen, sich als Mensch in Relation zu den Naturgewalten einzuordnen. Und sie lassen den Schöpfer dahinter erahnen.

Die perfekten Verhältnisse, das traumhafte Wetter und die klare Fernsicht auf dem Gipfel entschädigen die Bergsteiger für die Anstrengung und vermitteln das Gefühl, etwas Wunderbares erlebt zu haben.