Die Mehrsprachigkeit öffnet uns viele Türen

Tribüne von Daniel Cardoso (Chef de Service Hotel Hauser St.?Moritz)

Ich kam vor 28 Jahren ins Engadin, mit meinem Vater. Ich hatte genug von der Schule, war jung und wollte meinen Weg gehen. Im Fexer Hotel Sonne, wo auch mein Vater arbeitete, fing ich an, im Frühstücksservice mitzuhelfen. Ich wusste von meinem Vater, dass ich Deutsch würde lernen müssen. Ich konnte recht gut Französisch von der Schule her, auch Englisch. Und einige Brocken Italienisch hatte ich auch intus. Aber Deutsch musste ich von der Pike auf lernen. Natürlich kam es am Anfang auch hie und da zu Missverständnissen. Aber ich habe im Kontakt mit den Menschen ziemlich schnell Fortschritte gemacht. Ich wollte ja auch Deutsch lernen. Wenn ich zurückschaue, hat sich in puncto Spracherwerb schon einiges getan in der Zwischenzeit. Ursprünglich gab es keine Informationen über Deutschkurse. Jetzt bieten viele Hotels Inhouse-Kurse an, auch bei uns. In der Portugiesengemeinde ist das Interesse, Sprachen zu erlernen, vorhanden, speziell in Bezug auf Deutsch und speziell bei den Familien. Die Eltern wollen ihre Kinder begleiten und ihnen helfen und sind deshalb auch gewillt, Deutschkurse zu besuchen. Über das Integrationsbüro vom Kanton werden solche Kurse ja auch angeboten, inzwischen finden sie an der Academia Engiadina statt, werden aber finanziell immer noch vom Kanton unterstützt. Die Teilnehmer haben ein Kursgeld zu bezahlen. Da es erschwinglich ist, gibt es keine Entschuldigung, solche Kurse nicht zu besuchen. Ausser eben die manchmal schwierige Einbettung in den Berufsalltag. Deshalb haben ja einige Arbeitgeber, vorab die grösseren Hotels, angefangen, interne Deutschkurse für ihre Mitarbeiter einzuführen. Ich denke, diesem Beispiel könnten andere Arbeitgeber auch oder vermehrt folgen. Vielleicht, indem sie sich branchenintern zusammentun und Kurse anbieten und zwar solche, die mit dem Ablauf des Arbeitsalltags kompatibel sind oder in der Freizeit auch wirklich besucht werden können. Nicht nur die Arbeitnehmer, auch die Arbeitgeber haben ein grundlegendes Interesse daran, gut geschulte Mitarbeiter zu haben, auch auf sprachlicher Ebene. Für Familien mit Kindern ist es besonders schwer, sich zu organisieren. Erschwerend kommt hinzu, dass in vielen Hotels, in welchen Portugiesen arbeiten, Portugiesisch gesprochen wird oder eben Italienisch. Auch hier sind die Arbeitgeber, die Angestellten und ganz generell die Einheimischen gefordert, bewusst Deutsch zu sprechen, selbst wenn ihr Gegenüber mediterran aussieht oder einen portugiesischen Namen hat. Ich persönlich empfinde die Mehrsprachigkeit, die wir hier im Engadin leben, als etwas Fantastisches. Sie stellt eine Chance dar, und bietet vor allem der Jugend bei der Arbeitssuche in der Schweiz oder in Europa Vorteile. Sie öffnet uns viele Türen.