Herausforderung Zweitsprache

Tribüne von Sara Vogt (Technische Redaktorin der EP/PL)

Baaaaaajsa! Jag måste baaaaaajsa, ruft der dreijährige Sohn im Restaurant. Oder eher brüllt, so, wie das kleine Kinder gerne machen, wenn sie etwas mitzuteilen haben. Dass meine Kinder zweisprachig aufwachsen, und die zweite Sprache eine Minoritätensprache ist (Schwedisch), hat viele Vorteile. So müssen zum Beispiel an diesem Tag nicht alle Leute im Restaurant erfahren, dass der Kleine, um ein grosses Geschäft zu machen, aufs WC muss.
Für mich ist die schwedische Sprache aber mehr als eine Quelle praktischer «Geheimwörter», ja sogar mehr als der Schlüssel zu den Möbelnamen von Ikea. Meine Muttersprache ist vor allem die Verbindung zur Heimat. Mehr als nur Kommunikation ist die Sprache auch eine Verbindung zur schwedischen Kultur. Ohne Schwedisch zu sprechen, werden meine Kinder nie wirklich verstehen, woher sie kommen, davon bin ich überzeugt.
Genauso selbstverständlich ist es für mich, dass meine Kinder die Sprache des Vaters und des Umfelds lernen (Schweizerdeutsch) und später auch Romanisch, Englisch und Italienisch. Ich halte es für einen grossen Luxus, Bücher in der Originalsprache lesen zu dürfen, Filme im Originalton sehen zu können, an einem geselligen Abend bei jedem Gespräch ohne Sprachbarrieren mitreden zu können und sich auf Reisen in der Landessprache verständigen zu können.
Sprachen öffnen die Welt, und durch Sprachen öffnen wir uns für die Welt. Mir ist bewusst, dass es nicht immer einfach sein wird, meinen Kindern eine Minoritätensprache beizubringen. Sie werden es nicht immer lustig finden. Ich hoffe aber, dass sie eines Tages trotzdem dankbar sein werden und die vielen Vorteile spüren dürfen. Es gibt schwedische Organisationen, die uns durch Onlinestudien unterstützen können, schlussendlich liegt der Ball aber bei mir.
In Schweden läuft es etwas anders. Laut Lehrplan für Schulen und Vorschulen soll »das Bewusstsein für das eigene kulturelle Erbe und die Teilnahme an der Kultur anderer Kinder, das Verständnis und Mitgefühl für andere und ihre Werte entwickelt werden». Alle Kinder, die zu Hause eine andere Sprache sprechen als Schwedisch, haben das Recht auf «Hemspråksundervisning». Unterricht auch in der Sprache, die zusätzlich zu Schwedisch zu Hause gesprochen wird. Die Verantwortung der Eltern wird dabei nicht verringert, sondern integriert. So gewinnen nicht nur die Kinder in der mehrsprachigen Familie, sondern auch die Mitschüler, die Lehrerinnen und Lehrer, und am Ende sicher auch die Welt. Schlussendlich sind wir alle eins. Ich hoffe, ich leiste damit einen kleinen Beitrag, um die Welt ein bisschen besser zu machen.