«Nächstes Mal klappt es»

Samuel Almeida ist im Engadin aufgewachsen und ein leidenschaftlicher Skirennfahrer mit Ambitionen. Auch wenn sich der junge portugiesisch-schweizerische Doppelbürger nicht für den WM-Slalom qualifizieren konnte: Seinem sportlichen Ehrgeiz tut das keinen Abbruch.

Als am Samstagmorgen der Speaker den Fahrer mit der Startnummer 107 ankündigt, schnellen zuhinterst auf der Zuschauertribüne die rotgrünen Nationenflaggen in die Höhe. «Almeida, Almeida, Almeida», feuert die kleine portugiesische Fangemeinde ihren Favoriten an und blickt gebannt zum Slalomhang hoch. Doch mit dem Mitfiebern ist es alsbald vorbei. Samuel Almeida scheidet im oberen Teil des Pizzet-Parcours aus. Damit hat der 19-jährige Nachwuchssportler schon im ersten Lauf die Chance für eine Teilnahme am WM-Slalom von Sonntag in St. Moritz verspielt. «Ich bin selber schuld. Das sind Fehler, die ich immer mache», sagt Almeida nach der verpatzten Qualifikation. «Ich bin die Tore zu direkt angefahren. Dadurch verlagerte sich mein Körperschwerpunkt nach hinten und ich hatte keine Kontrolle mehr über den ganzen Ski.». Almeida ist zwar enttäuscht, aber nicht frustriert. Er war nicht der einzige, der ausgeschieden ist, gleich reihenweise verpassten die Vertreter der Exoten-Nationen ein Tor oder stürzten. Und Almeida weiss um die Stärke der Mitkonkurrenten – unter ihnen Rennfahrer mit Weltcup- und Weltmeisterschaftserfahrung. Und diese hat der in Pontresina aufgewachsene schweizerisch-portugiesische Doppelbürger nicht – noch nicht. Aber er liebt das Skifahren über alles und ist gewillt, ehrgeizig und diszipliniert für Rennerfolge zu trainieren. Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht. In Portugal hat Skifahren keine Tradition und auch unter den Secondos im Engadin ist Samuel eine Ausnahmeerscheinung. Zum Skifahren hingeführt hat ihn sein Vater Max Almeida, der seit Langem bei Gruber Sport in der Werkstatt arbeitet und selber in Graubünden Skifahren lernte. Bereits mit zwei Jahren machte Samuel seine ersten Gehversuche auf Skiern, dann folgte der Eintritt in den Skiclub Bernina. Heute trainiert Samuel Almeida mit dem RLZ OE, dem Regionalen Leistungszentrum Oberengadin, startet aber bei internationalen Skirennen für Portugal. Dass er nicht für die Schweiz startet, hat taktische Gründe: Er müsste sich zuerst qualifizieren, gegen weit mehr und stärkere Konkurrenten aus der Schweiz, als Portugal sie stellen könnte. Und somit wird er weiterhin für Portugal starten. Auch nach dem Dämpfer, der ihm der verpatzte Zuozer Qualifikations-Slalom verpasst hat. Ziel ist es, diesen Winter noch möglichst viele FIS-Punkte zu holen. Samuels Fernziel ist eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen von 2018. Deshalb wird er nach Abschluss seiner Berufslehre als Elektroinstallateur kommenden Sommer wohl voll auf die Skikarte setzen. Erst dann ist die Berufsmatura und der Militärdienst in der Schweizer Armee an der Reihe. Was das heisst, ist ihm bewusst. Schon jetzt kann er im Winter abends nie wie seine Kollegen die Freizeit geniessen, sondern muss trainieren. Aber das macht ihm nichts aus, schliesslich ist Skifahren seine Leidenschaft, und dafür nimmt er einiges in Kauf: «Nächstes Mal klappt es bestimmt», sagte er zuversichtlich.

Samuel Almeida im Zielraum der Zuozer Qualifikationsrennen, umringt von seinen Fans, hauptsächlich Familienmitgliedern. Foto: Marie-Claire Jur