Voluntari: Zwei Familiengeschichten

Insgesamt haben sich 2000 Personen als Voluntari für die Ski-WM in St. Moritz gemeldet, unter ihnen auch Familien. Die EP/PL hat zwei Grossväter besucht, die mit Enkel respektive Enkelin im Einsatz stehen. Einmal Einheimische, einmal Zweitheimische.

René Matossi, 93, kann sich nicht mehr genau an seine Einsätze als Voluntari erinnern. Aber während er erzählt, kommen ihm verschiedene Anekdoten in den Sinn und seine Augen leuchten. Sein Enkel, Enrico Matossi, 17, hört interessiert zu und lächelt ab und zu. Sein Grossvater war unter anderem 2003 als Voluntari im Einsatz. Gerne aber erinnert er sich an noch frühere Zeiten zurück. «Da mussten die Skilehrer die Pisten abstampfen.» Viele Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben, gab es damals nicht, und man musste teilweise lange warten. Doch schon damals gab es Maschinen, um die Pisten zu präparieren, sagt Matossi, der von 1961 bis 1988 Betriebsleiter der St. Moritzer Bergbahnen war. «Wir hatten einen Ratrac für das ganze Gebiet.» René Matossi erinnert sich an das Material, das es für die verschiedenen Meisterschaften brauchte. Wie zum Beispiel Rohrleitungen für das Wasser, welche im Sommer verlegt wurden. «Im Winter sind diese Leitungen oft eingefroren», erinnert er sich. Er und seine Kollegen halfen, wo es nötig war. Sein Enkel Enrico Matossi hat jetzt eine ganz andere Aufgabe. Er muss die sogenannten «Airpads» aufstellen. Diese sollen verhindern, dass sich die Athleten bei Stürzen verletzen. Matossi war im Jugend-OK, und er hat beim Finale des Migros Grand Prix letztes Jahr mitgeholfen. So ist sein Voluntari-Einsatz in St. Moritz zustande gekommen. Auch René Matossi war immer da, wenn man ihn brauchte. Er war schon an der Olympiade 1948 dabei. «Ich bin extra dafür vom Unterland ins Engadin gekommen.» Enrico Matossi freut sich über die aktuelle Ski-WM. «Das Wetter ist schön, und es gab keine grösseren Probleme. Die Atmosphäre ist lustig und man lernt Leute aus verschiedenen Ländern kennen.» Auch sein Grossvater hat zum Teil noch Kontakt zu ehemaligen Voluntari. Auch Ernst Bachofen, 75, Grossvater von Anik Dobler, 16, hat sich mit ihr als Voluntari gemeldet. Sie arbeiten jedoch in Zuoz, wo die Qualifikationsrennen stattfinden. Sie kennen Zuoz gut, da sie dort seit 18 Jahren eine Ferienwohnung haben. Zudem sind sie begeisterte Skifahrer. Alle Enkel von Bachofens haben im Skigebiet Zuoz Ski fahren gelernt. «Ich wurde mit zweieinhalb Jahren auf Skier gestellt», erzählt Anik Dobler. Sie ist als sogenannte Rutscherin unterwegs und sorgt dafür, dass die Rennfahrer alle unter den gleichen Bedingungen starten können. Ihrem Grossvater hat sie zu verdanken, dass sie sich als Voluntari gemeldet hat. «Ich habe gedacht: ‹Warum nicht?› Anstatt während meinen Ferien nur herumzusitzen, kann ich auch hier mithelfen. Es ist ein cooles Erlebnis.» Der Grossvater seinerseits wurde vom Förderverein Sessellifte Zuoz angefragt. Er hilft bei der Verpflegung. Da muss er unter anderem aufräumen und dafür sorgen, dass es genügend Nachschub gibt. «Es ist eine wichtige Funktion, sonst klappen die Skifahrer zusammen», lacht er. Ernst Bachofen ist vier Tage im Einsatz, während seine Enkelin an acht Tagen mithilft. An den Renntagen ist sie Rutscherin, ansonsten hilft sie auch bei der Verpflegung. «Wir arbeiten jedoch nie zusammen», sagt Bachofen. Die Weltmeisterschaft gefällt Anik Dobler gut. «Ich habe viele Leute kennengelernt, es herrscht eine gute Stimmung.» Für die beiden ist klar, dass man eine solche Chance nutzen muss. «So nahe dabei sein können wir nie mehr.»

Auch Ernst Bachofen und Anik Dobler gefällt die Arbeit als Voluntari.

René Matossi erinnert sich gerne an seine Zeit als Voluntari, während sein Enkel, Enrico Matossi, mit Freude im Einsatz steht.