Der Zwergweidensaftling als Rarität

Der Pilzwelt wird oft nur eine Nebenrolle zugestanden. In der alpinen Zone des Schweizerischen Nationalparks (SNP) sind die unscheinbar kleinen Fruchtkörper kaum zu entdecken, wenn man deren Aufenthaltsort – die ökologische Nische – nicht kennt.

Es gibt in diesem Gebiet jedoch eine grosse Zahl von äusserst seltenen Pilzarten, welche dank speziell entwickelten Strategien in der unwirtlichen alpinen Stufe überleben können.

Erstmals konnte 2013 der Zwergweiden-Saftling (Hygrocybe salicis-herbaceae Kühner) im Nationalpark nachgewiesen werden. Das farbenprächtige Pilzchen wird im Hut-Durchmesser knapp 2,5 cm breit. Es versteckt sich ausschliesslich unter den Krautweiden, wo es Schutz vor Wind, Kälte und der UV-Sonneneinstrahlung findet. Ob es an seinem Standort auch eine Symbiose (Mykhorriza) mit seiner Begleitpflanze eingeht, wird derzeit erst vermutet. Der wissenschaftliche Nachweis darüber steht noch auf wackeligen Füssen. Die Entdeckungen der Art sind während der kurzen Vegetationsperiode hauptsächlich auf die auffällig orange-purpurrote Hutfarbe und den leuchten gelben Stiel zurückzuführen. Für die provisorische Abgrenzung der Art bei Feldstudien von farblich ähnlich aussehenden kleinen Saftlingen kann eine Geschmacksprobe einen wertvollen Hinweis geben. Beim Zerkauen wirkt das Pilzfleisch auf der Zunge nämlich nach einiger Zeit ranzig und dann nachhaltig scharf.

Die Art, erstmals 1976 aus den französischen Alpen, wurde in der Schweiz bisher an vier Stellen gefunden. Dabei jetzt erstmals auch im Schweizerischen Nationalpark.

Zwergweidensaftling. Foto:SNP