Nationalpark-Jubiläum: Vorbehalte gegenüber Budget

St. Moritz und Pontresina kritisieren das «unverhältnismässig hohe Budget» und reduzieren ihre Beiträge

Drei Millionen Franken soll das 100-Jahr-Jubiläum des Schweizerischen Nationalparks kosten. Zu viel finden verschiedene Gemeinden. Auch das Ja zur Zweitwohnungsinitiative und das Nein zu Olympia wirken nach. Wenn der Schweizerische Nationalpark im nächsten Jahr den 100. Geburtstag feiert, soll das weit über die Kantonsgrenzen hinaus ausstrahlen. Mit verschiedensten Anlässen und Publikationen sollen das Jubiläum und vor allem der Schweizerische Nationalpark (SNP) bekannt gemacht werden. Neue Gäste zu erreichen wird denn auch als eine der Hauptzielsetzungen genannt.

Für das ganze Jubiläum mit sämtlichen Anlässen und Publikationen sind drei Millionen Franken budgetiert. Gut investiertes Geld, ist SNP-Kommunikationschef Hans Lozza überzeugt. «Die Chance, uns als einzigartiges Wildnisgebiet zu positionieren, müssen wir packen», sagt er. Das sehen die Touristiker auch so. Die Destination Engadin St. Moritz wird das Jubiläum mit einem finanziellen Beitrag «im Rahmen des geplanten Budgets» unterstützen. Genaue Zahlen werden wie immer bei der Finanzierung von Anlässen nicht öffentlich kommuniziert. Aus dem Unterengadin wird kein Cash- Beitrag fliessen, dort wird die Leistung vor allem in Form von Kommunikation erbracht. «Das im Gegenwert von über 50 000 Franken», sagt Urs Wohler, Direktor von Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair (TESSVM). Wie seine Amtskollegin aus dem Oberengadin, Ariane Ehrat, ist auch er überzeugt von der Wichtigkeit des Parks und des Jubiläums. Die touristischen Packages werden gemeinsam geschnürt (Übernachtungen, ÖV und Bergbahnen- Ticket inklusive).

Unterschiedliche Begründungen

Rund 2,5 Millionen des Drei-Millionen- Budgets stammen von Sponsoren, Stiftungen und aus Eigenmitteln. Auch die öffentliche Hand soll sich nach Vorstellungen des Parks an der Finanzierung beteiligen. Dieses Ansinnen kommt aber nicht überall gut an. St. Moritz hat den vorgesehenen Beitrag von 200 000 Franken auf 25 000 Franken gekürzt, Pontresina von 13 000 auf 2500 Franken und auch einzelne andere Gemeinden zahlen nicht den ganzen Beitrag oder gar nichts. Begründet wird das Streichkonzert mit den düsteren wirtschaftlichen Aussichten mit erwarteten Einbrüchen bei den Steuereinnahmen oder den offerierten Gegenleistungen des SNP, die wenig überzeugend seien. St. Moritz bezeichnet die Kosten als «unverhältnismässig hoch», vor allem wenn man mit den 30 Millionen Franken vergleiche, die Graubünden für eine Olympia-Kandidatur mit einem ungleich höheren und über Jahre dauernden Werbeeffekt bezahlt hätte. Die SNP-Feierlichkeiten hingegen würden sich nur über wenige Monate hinziehen.

Noch konkreter wird Pontresinas Gemeindepräsident Martin Aebli. Auf eine schriftliche Anfrage antwortet er, dass man mit den Exponenten im Patronatskomitee, die sich namentlich gegen Olympia und Zweitwohnungen eingesetzt hätten, Mühe bekunde. Dass die gleichen Exponenten bei der Olympia- Abstimmung den Kostenfaktor und Gigantismus ins Feld geführt hätten, sei erstaunlich. «Das Gleiche könnte man auch zu dieser Veranstaltung sagen », schreibt Aebli in seiner Antwort. Namen nennt er keine, doch dürfte seine Kritik primär auf Silva Semadeni, SPNationalrätin und Präsidentin von Pro Natura, zielen. Sie hatte sich an vorderster Front gegen die Olympia-Kandidatur stark gemacht.

«Im Rahmen der Erwartungen»

Beim Schweizerischen Nationalpark gibt man sich auf Anfrage zurückhaltend und verweist auf die Gemeindeautonomie. Gesamthaft liegt die Unterstützung aus der Region gemäss Lozza «im Rahmen der Erwartungen». Damit die beschlossenen Projekte wegen der zurzeit fehlenden Mittel auf der Einnahmenseite nicht gefährdet seien, habe die Eidgenössische Nationalparkkommission eine Defizitgarantie aus dem Nationalparkfonds gesprochen. Gleichzeitig würden Einsparungsmöglichkeiten diskutiert und man sei daran, weitere Mittel zu generieren. «Bis Ende Jahr muss das Jubiläum ausfinanziert sein», ist für Lozza klar.

Der einzige Nationalpark der Schweiz feiert 2014 sein 100-Jahr-Jubiläum. Gegen das Veranstaltungsbudget gibt es Opposition. Foto: Nationalpark