Kandidaturbudget halbieren und eine Volksabstimmung

Die Grünen sehen in Olympischen Winterspielen keine Perspektiven. Sollte es trotzdem zu einer Kandidatur kommen, stellen sie klare Forderungen.

Am Donnerstag und Freitag haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Grünen und Alpenschutzorganisationen in Tschlin zu einer Alpen-Tagung getroffen. Thema: Die nachhaltige Entwicklung des Alpenraums. Dass Olympische Winterspiele nicht zu einer solchen Entwicklung beitragen können, ist für die Grünen klar. So stand die vorgängige Medienkonferenz in Chur unter dem Titel «Olympia führt zum ökologischen und finanziellen Kater». Für den Grünen-Nationalrat Bastien Girod werden die wirtschaftlichen Nutzen überschätzt und die Kosten unterschätzt. Entgegen dem Wunsch der Olympia-Promotoren sehe die Wirklichkeit sehr ungünstig aus für Olympische Winterspiele in St. Moritz und Davos. «Das IOC macht keine Anzeichen, grünere Spiele zu wollen», sagte er an der Medienkonferenz.

Will das IOC keine grünen Spiele?

Diese Aussage steht im Widerspruch zu dem, was bisher von den Schweizer Vertretern im IOC zu hören war. Diese betonten nämlich immer wieder, dass eine Abkehr vom Gigantismus durchaus auch im Sinne des IOC sein könnte. Woher aber hat Girod seine Informationen? Konfrontiert mit dieser Frage, windet sich der Nationalrat. Das zu präzisieren sei schwierig, sagt er und verweist darauf, dass er Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) des Nationalrates ist und dort eine Anhörung von IOC-Mitgliedern stattgefunden hat. Diese seien erstaunt gewesen ob der ganzen Diskussionen wegen der Nachhaltigkeit. Sie seien der festen Überzeugung, dass Olympische Spiele schon immer nachhaltig gewesen seien und würden sich beispielsweise damit brüsten, dass in Sotchi eine Autobahnspur weniger gebaut worden sei als geplant. «Mindestens ein IOC-Mitglied hat mir gegenüber gesagt, noch nie etwas von einer NIV-Charta gehört zu haben», sagt Girod gegenüber der EP/PL.

Kampagnenbudget zu hoch

Zudem würden auch IOC-Vertreter das Kampagnen-Budget von 60 Millionen Franken als sehr hoch einstufen. Girod will deshalb in der WBK beantragen, das Kandidaturbudget um die Hälfte zu kürzen. Und die Grünen wollen auch, dass das Schweizer Stimmvolk über den Milliarden-Kredit und die darüber hinausgehende Defizitgarantie des Bundes entscheiden kann. Damit über den Olympia-Kredit abgestimmt werden kann, muss der Beschluss zuerst dem fakultativen Referendum unterstellt werden. Dann müssten mindestens 50 000 Unterschriften gesammelt werden.

«Grüne Perspektiven»

Die Grünen haben an der Medienkonferenz aber auch «Grüne Perspektiven für die weitere Entwicklung von Graubünden jenseits von Olympia» präsentiert. So soll mit dem Geld beispielsweise das Gebäudeprogramm für mehr Energieeffizienz unterstützt werden. Auch Jugend und Sport sowie der Behindertensport sollen mehr Geld erhalten. Ebenso werden wiederkehrende Events bis zur Grösse einer Ski-WM begrüsst.
Allerdings ist Rolf Marugg, Davoser Landrat der Verda Grünes Graubünden, überzeugt, dass wer auf Massen-aufläufe und Hochleistungstourismus setze, im Zeitalter des «Burnouts» verlieren werde. Statt Gäste aus Indien, China oder Brasilien einzufliegen, müsse man sich als ganzjähriges Naherholungsgebiet für die «Greater Zurich-Area» positionieren.