NIV-Charta: «Propaganda statt seriöse Grundlage»

Am 10. Januar haben die Olympia-Promotoren die Charta für Nachhaltigkeit, Innovation und Vermächtnis (NIV-Charta) öffentlich gemacht. Das Komitee Olympiakritisches Graubünden hat diese Charta unter die Lupe genommen und kommt in einem Analysepapier zu einem vernichtenden Ergebnis. Die NIV-Charta sei ein Papiertiger ohne demokratische Legitimation und rechtliche Verbindlichkeit. Postuliert würden fromme Wünsche, anstatt kritische Fragen zu stellen. Zudem hätte die Charta am Anfang des Prozesses stehen müssen, um Verbindlichkeiten zu haben. Die Verfasser des Analysepapiers, Grossrat Jon Pult (SP), Nationalrätin Silva Semadeni (SP), Tourismusexperte Hansruedi Schiesser und Kommunikationsberater Severin Toberer kommen deshalb zum Schluss, dass es sich beim Papier um ein Propagandamittel handelt und nicht um eine seriöse Grundlage.
Ein paar schöne PR-Phrasen zur Nachhaltigkeit und ein paar Absichtserklärungen und fromme Wünsche würden keineswegs dafür bürgen, dass der vom IOC kontrollierte Megaevent Olympische Spiele zu einem Instrument der nachhaltigen Entwicklung werde. Es sei das IOC selbst, das alleine und abschliessend über die Rahmenbedingungen und über die Vergabe der Spiele entscheide. Und dieses IOC sei dafür verantwortlich, dass aus einem internationalen Fest des Amateursports über die Jahrzehnte ein weltweiter Mega-Marketing-Event geworden sei. Lückenbüsser seien immer die Steuerzahler der Durchführungsorte gewesen, die die immer höher werdenden Kosten und Schulden tragen müssten. «Warum aus dieser gigantischen Geldmaschine ein Instrument für mehr Gemeinwohl und Nachhaltigkeit werden soll, kann kein einziger der Promotoren von Graubünden 2022 erklären», heisst es im Analysepapier.
Die Verbindlichkeit bezeichnen die Verfasser als Etikettenschwindel. Ein privatrechtlicher Verein könne diese gar nicht gewährleisten - schon gar nicht im Rahmen einer Olympia-Kandidatur. Das IOC schliesse die Verträge immer erst nach der Vergabe der Spiele mit dem lokalen OK ab. Und diese würden dem IOC «konsequent und rücksichtslos umfassende Vorrechte und Privilegien gewähren». Eine NIV-Charta könne da keine «Verbindlichkeit» herstellen. Politisch sei die Bedeutung des Papiers gleich null, rechtlich sowieso.
Beim Bereich Umwelt werden die konkreten Wirkungsziele vermisst. Statt allgemeine Ziele zu lesen, hätten sich viele Bündnerinnen und Bündner gewünscht, mehr über konkrete Zahlen und Fakten zu erfahren über die Auswirkungen der Spiele auf die Umwelt. Die Promotoren würden beispielsweise Klimaneutralität versprechen, im gleichen Satz aber einräumen, CO2-Emissionen wenn unvermeidbar über Klimaschutz-Projekte zu kompensieren. Die Olympia-Kritiker sprechen diesbezüglich von einem «erkauften Ablasshandel».
«Die Charta lenkt von den Problemen der Olympia-Kandidatur ab statt sie anzupacken», ziehen die Olympia-Gegner ein aus ihrer Sicht ernüchterndes Fazit.

Das Analysepapier kann unter www.olympia.nein.ch heruntergeladen werden.