Die erste Hochtour ist geschafft

Das EP-Team hat den Piz Morteratsch erfolgreich bestiegen. Auf dem Gipfel konnten die fünf Kameraden direkt auf den Biancograt sehen. So nahe, so eindrücklich, so mächtig war das gemeinsame Ziel noch nie.

Endlich. Nach rund viereinhalb Stunden laufen, klettern, stampfen und schnaufen steht das «Piz Bernina»-EP-Team auf dem Gipfel des Piz Morteratsch. 3751 Meter über Meer. So hoch oben standen Mitar, Roman, Ursina, Oskar und Margit noch nie. Als Belohnung gibt es Gipfelschnaps, Umarmungen und einen überwältigenden Blick auf den Biancograt. Über diesen schmalen Eisgrat wollen die fünf Kameraden in einem Monat schreiten. Furchteinflössend sieht er aus. Ist der Biancograt für alle im EP-Team machbar? Egal, erst mal die Gipfelruhe auf dem Piz Morteratsch geniessen. Denn auch diese Tour war kein Zuckerschlecken.

Frühstück um 4.00 Uhr

Um 4.00 Uhr wartet in der Bovalhütte bereits das Frühstück. Schlaftrunken schlürft das EP-Team Kaffee und streicht Brote. Bis dann alle Siebensachen im Rucksack verstaut und alle bereit sind, ist es Viertel vor fünf. Es geht von Beginn weg steil hinauf über Geröllfelder. Kurz bevor die ersten Schneefelder auftauchen, blinzelt die Sonne hervor und streichelt über die drei Gipfel des Piz Palü. Der schöne Moment wird mit einer kurzen Pause genossen. Aber die Bergführer der Bergsteigerschule Pontresina gönnen dem EP-Team nur kurz Ruhe. Weiter geht?s über gefrorene Schneefelder, bis die Kameraden vor einer Felswand stehen.
Nun werden Seilschaften gebildet. Bergführer Marcel Schenk nimmt Mitar, Roman und Ursina ans Seil.

Bergführer Anselm Tscharner ist mit Franco Furger und Sarah Walker, dem Medien-Team der «Engadiner Post», unterwegs. Margit und Oskar folgen dem Bergführeraspiranten Patrick Maissen. Als Aspirant hat Patrick bereits ein Jahr harte Ausbildung hinter sich. Nun steht der junge Prättigauer in seinem zweiten Ausbildungsjahr zum Bergführer. Er muss Praxiserfahrung sammeln und mindestens 40 Touren zusammen mit patentierten Bergführern wie Marcel und Anselm absolvieren.

Über Fels und Eis

Der Piz Morteratsch ist für das EP-Team die erste richtige Hochtour und entsprechend gefordert sind die fünf Kameraden. Bei der leichten Kletterei hinauf zur Fuorcla Boval hat Mitar am meisten zu kämpfen. Die Koordination und das Gefühl fehlen, um Tritte und Griffe instinktiv zu finden. Auch Margit kommt ins Schnaufen und ist angespannt. Oskar, Ursina und Roman hingegen haben keine Mühe und können die Tour voll geniessen.

Auf der Fuorcla Boval werden die Steigeisen montiert und der Eispickel hervorgeholt. Nun geht es auf den Gletscher und die steile Nordostflanke des Piz Morteratsch hoch. Die Sonne brennt erbarmungslos, trotz der frühen Morgenstunden. Die Seilschaft von Bergführer Marcel ist dennoch flüssig unterwegs. Nun hat auch der 67-jährige Mitar keine Mühe mehr, er hat sein Leben lang Ausdauersport betrieben und somit eine gute Kondition. Die Seilschaft von Bergführeraspirant Patrick hingegen steigt langsam, Margit ist nahe an der Erschöpfung und kurz vor dem Gipfel will sie nicht mehr weiter. «Du musst einfach weiterlaufen», motiviert sie Patrick. Schliesslich stehen kurz vor 10.00 Uhr alle auf dem Gipfel.

Das Voting geht los

Zwei Stunden später sitzt das EP-Team auf der Terrasse der Tschiervahütte. Dort wird Bier getrunken und Bilanz gezogen. Bergführer Marcel lobt den Einsatz und die Kameradschaft des EP-Teams: «Ihr seid ein tolles Team und es macht sehr viel Spass mit euch.» Er stellt aber auch klar, dass noch nicht alle reif sind für den Biancograt. «Wenn wir morgen auf den Piz Bernina steigen würden, könnten wir nur drei von euch mitnehmen.» Das sind Roman, Ursina und Oskar. Die drei sind fit, konzentriert und immer trittsicher. Mitar und Margit hingegen sind noch nicht parat für die Herausforderung Piz Bernina. Mitar klettert vor allem zu unsicher. Margit fehlt es an der Grundkondition und ist am Fels auch nicht immer sattelfest. «Ihr habt aber noch einen Monat Zeit, und wenn ihr voll trainiert, dann kann der Biancograt trotzdem möglich sein», sagt Marcel.

Das gemeinsame Erlebnis ist für Mitar, Roman, Ursina, Oskar und Margit somit vorbei. Auf den Piz Bernina können nur zwei hoch. Wer dies sein soll, entscheidet die Leserschaft der «Engadiner Post/Posta Ladina»

Klettern mit einem schweren Rucksack ist nicht leicht.

Gipfelglück vor dem mächtigen Biancograt: Roman, Marcel, Ursina, Sarah, Oskar und Patrick (oben von links). Mitar, Margit und Anselm (unten von links). Fotos: Franco Furger

Die ersten Sonnenstrahlen streicheln über den Piz Palü und Bellavista. Zeit für eine kurze Pause.

Nur noch wenige Schritte: Marcel führt Mitar, Roman und Ursina auf den Gipfel.