Die Würfel sind gefallen: Das «Piz Bernina EP»-Team

Die Wahl war keine einfache: Über 90 Anmeldungen ? und eine klang besser als die andere. Schliesslich hat sich die Jury auf sechs geeinigt. We proudly present: Das «Piz Bernina»-EP-Team!

Von der Schülerin über die Uniprofessorin bis hin zum Rentner: Die über 90 Anmeldungen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Und doch mussten sechs «Nachwuchs-Ueli-Stecks» gefunden werden. Nachdem die Bergführer der Bergsteigerschule Pontresina ihre rund 20 Favoriten ausgesucht hatten, wählten sie gemeinsam mit Vertretern der EP/PL die definitiven sechs. Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, dass drei Frauen und drei Männer mit dabei waren; davon zwei, die maximal 30 Jahre alt sind, zwei mit einer 4 auf dem Rücken und zwei reifere Teilnehmer bunt gemischt aus Unter- und Oberengadin. Und das ist das Ergebnis.

Mitar Cvorovic, Pontresina, 67 Jahre

«Ich bin einfach nur wahnsinnig glücklich, zum «Piz Bernina»-EP-Team zugehören.» Das merkte auch der Bergführer Gian Luck, als er Mitar die freudige Nachricht überbrachte. «Als ich Gian danach sah, erkundigte ich mich, ob der denn überhaupt noch etwas höre, so fest habe ich in den Telefonhörer gejubelt.» Es sei schon immer sein Traum gewesen, irgendwann einmal auf dem höchsten Berg Graubündens zu stehen.

Dass er mit seinen 67 Jahren der Älteste im Team ist, stört den Rentner überhaupt nicht. «Ich habe nie daran gedacht, dass mein Alter ein Hindernis darstellen könnte. Der Wunsch, da hinauf zu kommen, ist dafür viel zu gross.» Mitar ist mit seinen fast 70 Jahren wohl fitter als manch Zwanzigjähriger. Er nimmt an Volksläufen teil und hat bereits mehrere Marathons auf der ganzen Welt bestritten. «Bewegung ist mir sehr wichtig. Solange die Beine mich noch halten und die Pumpe noch tut, kann ich nicht still sitzen.»

Mit dem Piz Bernina wagt sich Mitar auf zu neuen Herausforderungen, denn von Bergsteigen habe er gar keine Ahnung. Er vertraue in dieser Hinsicht ganz den Bergführern: «Ich fühle mich in sicheren Händen. Die werden schon wissen was sie tun, wenn sie vorangehen.» Und Mitar wird ihnen folgen: «Da werde ich einfach den Grind abaheba und seckla!»

Ursula Kindlimann, Wald ZH, 66 Jahre

«Ich war total überrascht, als ich die Zusage erhielt, denn ich habe mir als Unterländerin keine Chancen ausgerechnet», meint die Rentnerin, die sich ob ihrer Zusage riesig freute. Ganz Engadin-fern ist die Zürcherin nicht. 20 Jahre lang hat sie hier gearbeitet und gelebt, musste das Engadin aber vor 15 Jahren aus familiären Gründen verlassen. Ursula erinnert sich gerne zurück an die Zeit. «Ich bin viel in den Bergen ?herumgekraxelt?, und hatte die Chance, den Ostgrat des Palüs und den Chapütschin zu besteigen.
Ihre Bergsteigerkarriere hat sie inzwischen aber etwas ruhen lassen. Ursula fährt gelegentlich Einsätze für das Rote Kreuz, liest, kümmert sich um die Liegenschaft und ihre Katze «Lina». Tageswanderungen stehen aber nach wie vor regelmässig auf ihrem Programm.

Für die Zeit im «Piz Bernina»-EP-Team bereitet sich die 66-Jährige intensiv vor. «Eigentlich plante ich, auf Anfang Juni deswegen eine Wohnung zu mieten, damit ich mich richtig anklimatisieren kann. Ich habe früher viele Unterländer wegen der Höhe leiden sehen.» Gefunden hat sie bis jetzt aber noch nichts. Jetzt lasse sie es auf sich zukommen. «Ich muss einfach sicher sein, dass ich mein Büsi Linali mitnehmen kann, da sie sehr anhänglich ist.» Falls Ursula nichts Passendes findet, mietet sie sich in der Zeit der Hochtouren auf den Morteratsch und eventuell auf den Bernina einfach eine Ferienwohnung.

Oskar Schwarz, Sent, 48 Jahre

Als Berufspilot kennt Oskar den Piz Bernina gut, denn er ist schon unzählige Male über den Biancograt geflogen und hat sich immer wieder gedacht: «Irgendwann will ich da unbedingt mal hochsteigen! Logisch kann ich nicht auf jeden Berg klettern, den ich überfliege, aber mit dem höchsten des Kantons könnte ich ja mal beginnen.»

Als er Bescheid bekam, dass er beim «Piz Bernina»-EP-Team dabei sei, hatte er einerseits grosse Freude, dass sein Traum endlich wahr wurde. Andererseits dachte er sich: «Ups, jetzt wird es wirklich ernst.» Der Biancograt sei nicht zu unterschätzen. «Angst habe ich keine, aber grosse Ehrfurcht und eine noch grössere Portion Respekt. Denn im Gegensatz zum Flugzeug hat man kein sicheres Gehäuse mehr um sich.»
Seine Stärke sei sicher die Ausdauer. «Ich kann problemlos einige Stunden bergauf gehen, ohne gleich einen Zusammenbruch zu erleiden», erklärt der Outdoorsportler. Auch der Höhenausgleich sollte dem Piloten nicht allzu grosse Probleme bereiten. «Da könnte mein Beruf etwas von Vorteil sein.» Schwindelfrei sei er auch einigermassen. «Ich merke schon ein komisches Gefühl in der Magengegend, wenn es neben dir mehrere hundert Meter bergab geht, kann das aber gut kontrollieren.»

Oskar freut sich sehr auf die Ausbildung und das Team: «Das wird für jeden von uns eine ganz spezielle Erfahrung.»

Margrit Hui-Weidenweber, Ardez, 46 Jahre

Ski fahren, ab und zu eine Skitour, Langlaufen, Joggen, Fahrrad fahren, Walking, Pilates... an der Fitness soll es bei Margrit nicht scheitern. «Mein Ziel ist es, jedes Jahr eine grosse sportliche Herausforderung zu meistern», so die fitte Mutter, die im Winter auch als Skilehrerin arbeitet. Ein solches Ziel war beispielsweise die Teilnahme am Engadin Skimarathon oder eine Radtour mit ihrer Tochter von Ardez nach Nordbayern, wo Margrit aufgewachsen war. «Ich habe die Strecke so viele Male mit dem Auto zurückgelegt, da wollte ich das einfach einmal mit dem Fahrrad machen.»

Als Margrit die Zusage für das «Piz Bernina»-EP-Team erhielt, konnte sie es kaum fassen: «Ich hätte nie daran gedacht, dass es klappen könnte. Vor allem, da ich mich am letzten Tag der Anmeldefrist eingetragen habe.»

Im Dezember war die Wahl-Ardezerin zwecks einer Skilehrer-Ausbildung eine Woche auf der Diavolezza. «Ich habe jeden Tag den Bernina gesehen und gedacht, wie wundervoll es wäre, eines Tages auf dem Berg zu stehen. Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, irgendwann diese Gelegenheit zu haben.»

Klettererfahrung hat Margrit nur wenig. Der Klettersteig in Pontresina habe sie teilweise grosse Überwindung gekostet. «Ich habe doch ziemlichen Respekt, glaube aber, dass mir einfach die Übung fehlt.» Gelegenheit, ihre Unsicherheit zu überwinden, wird Margrit bereits am Sonntag bekommen, wenn es auf die Gebirgswanderung geht.

Roman Tgetgel, Samedan, 25 Jahre

Roman ist das Küken des Teams. Das stört den Samedner überhaupt nicht: «Ich freue mich auf die verschiedenen Leute und dass wir die gemachten Erlebnisse auch gemeinsam teilen können.» Dass er für das Team ausgewählt wurde, hat Roman sehr überrascht.«Bei den vielen Anmeldungen hätte ich nie gedacht, dass ich ausgewählt werde, hatte aber riesig Freude.»

Roman sieht das «Piz Bernina»-EP-Team als grosse Chance und freut sich vor allem auf die Ausbildung: «Ich wollte früher schon immer klettern lernen, kannte aber niemanden, der es mir beibringen konnte. Wenn man das lernen möchte, ist das bestimmt nicht günstig, und deswegen Gold wert.» Roman hofft, das Gelernte später anwenden und ab und zu auch mit einem Kollegen klettern gehen zu können.

Für den Bauspengler ist das Projekt eine grosse Herausforderung. Mit seiner lockeren Einstellung, «das kommt schon gut», setzt er sich aber nicht unter Druck. «Von Berufes wegen bin ich täglich auf hohen Dächern, deswegen sollte mir die Höhe eigentlich nichts ausmachen.»

An seiner Fitness arbeitet der Jüngste im Bunde, indem er regelmässig mit dem Mountainbike unterwegs ist und des Öfteren wandert. «Ich war drei Mal auf dem Piz Ot und zwei Mal auf dem Margna, jetzt möchte ich die Erlebnisse erweitern und bin bereit für ein neues Abenteuer.»

Ursina Badilatti, Samedan, 30 Jahre

Den gewissen Promifaktor bringt Ursina in das «Piz Bernina»-EP-Team. Die ehemalige Profi-Langläuferin hat vor zwei Monaten ihre Karriere auf den langen Skiern beendet, gerade rechtzeitig, um den Schwung und die Kondition mitzunehmen und sich für das «Piz Bernina»-EP-Team zu bewerben.

Als Ursina die Zusage für das Team bekam, hatte sie erst einmal grosse Freude. Danach wurde aber ihr Kampfgeist geweckt. «Dabei sein ist toll, aber wenn ich jetzt die Chance habe, den Bernina zu besteigen, dann will ich es auch unter die letzten zwei schaffen.»

Die Bernina-Besteigung stand schon länger auf Ursinas Wunschzettel. Nur hatte sie wegen ihrer Sportlerkarriere nie richtig Zeit dafür gefunden. «Jetzt habe ich aber keine Ausrede mehr!» Zeit hat Ursina nun auch für anderes. «Ich kann mir in meiner Freizeit endlich auch einmal Zeit für meine Kollegen nehmen, ein Konzert besuchen oder mit der Engadiner Post auf den Bernina klettern.»

In Sachen Bergsport ist Ursina ein Neuling. «Ich denke aber, dass ich von meiner Kondition, die ich mir jahrelang antrainiert habe, profitieren kann.» Der ganze Rest werde sie vor grosse Herausforderungen stellen. Sie werde lernen müssen, mit dem Adrenalin und dem Schwindelgefühl umzugehen. «Ich bin überzeugt, dass wir bei den Trainings lernen, das in den Griff zu kriegen und freue mich auf die neue Herausforderung.»

Mitar Cvorovic

Ursula Kindlimann

Oskar Schwarz

Margrit Hui-Weidenweber

Roman Tgetgel

Ursina Badilatti